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Leverage

Das „Leverage“ bezeichnet eine Hebelwirkung. Damit ist gemeint, dass eine kleine prozentuale Änderung eine größere prozentuale Wirkung hat. Im Finanzwesen betrachtet man den „Leverage-Effekt“ unter drei verschiedenen Gesichtspunkten.

Leverage-Effekt in Unternehmen

Wird die Rentabilität eines Unternehmens eingeschätzt, wird immer die Eigenkapitalrentabilität betrachtet. Diese Kennzahl sagt aus, wie viel Rendite mit dem eingesetzten Eigenkapital erwirtschaftet wurde. Das Problem: Diese Zahl ist manipulierbar und zwar wenn die Unternehmen den Leverage-Effekt nutzen.

Nehmen wir an, ein Unternehmen hat ausschließlich Eigenkapital und erwirtschaftet damit einen jährlichen Gewinn von 10%. So ist die Eigenkapitalrentabilität ebenfalls 10%. Wird jetzt Fremdkapital aufgenommen, z.B. in Form eines Kredites, und betragen die Fremdkapitalkosten (Zinsen) weniger als diese 10% passiert folgendes:

  • Gesamtkapital steigt um 100% auf das Doppelte

  • Gesamtkapitalrendite steigt auf das Doppelte abzgl. Fremdkapitalkosten

  • Eigenkapitalrendite steigt ebenfalls, da mit dem GLEICHEN Eigenkapital (es hat sich ja nicht verringert) MEHR Rendite erwirtschaftet wurde.

Das bedeutet: Je mehr Fremdkapital die Firma hat, desto besser ist die Eigenkapitalrendite, und desto schneller wirkt der Hebel. Verdreifache ich das Fremdkapital wird die Eigenkapitalrendite im Verhältnis noch schneller steigen, obwohl nicht mehr Eigenkapital zugeführt wurde. Dies gilt allerdings nur, wenn die Kosten für das Fremdkapital geringer sind als die Gesamtkapitalrendite. Da mit jedem Euro Fremdkapital noch ein Extra-Gewinn erwirtschaftet wird.

Nehmen wir an, die Zinsen steigen und betragen jetzt 11%. Die Gesamtkapitalrendite bleibt jedoch bei 10%. Dann bedeutet dies, dass mit jedem zusätzlichen Euro weniger Gewinn erwirtschaftet wird. Das schlägt sich ebenfalls in der Eigenkapitalrendite nieder.

Jetzt wird deutlich, dass der Leverage-Effekt eine große Chance bietet, aber auch ein enormes Risiko. Denn wenn das Fremdkapital in Fertigungsanlagen festliegt, kann auf einen Zinsanstieg nicht reagiert werden. Je höher die Verschuldung, desto höher ist auch das Risiko.

Leverage-Effekt in der Kostenstruktur (Operating Leverage)

Die Hebelwirkung kann ebenfalls in der Fertigung bei Unternehmen beobachtet werden. Besonders wirksam ist er bei Unternehmen, die hohe Fixkosten aber geringe Stückkosten haben. Eine kleine Veränderung im Umsatz hat dann große Wirkung auf den Gewinn.

Auch hier möchten wir durch ein Beispiel verdeutlichen:

Ein Unternehmen hat 10.000,- Euro Fixkosten im Monat für Maschinen, Energie etc. Dazu kommen 1,- Euro Stückkosten (Für Material, Arbeitskosten etc.).

Es werden pro Monat 10.000 Stücke gefertigt und für 5,- Euro pro Stück verkauft:

Einnahmen:

10.000 Stück x 5,- Euro = 50.000,- Euro

Kosten:

10.000,- Euro FIX

10.000,- Euro Stückkosten

20.000,- Euro Gesamtkosten

Gewinn: 30.000,- Euro

Der Einsatz von 20.000,- Euro ergab also einen Gewinn von 30.000,- Euro. Das sind 150% Gewinn.

Nun verdoppeln wir die Produktion und den Verkauf auf 20.000 Stücke:

Einnahmen:

20.000 x 5,- Euro = 100.000,- Euro (also tatsächlich das Doppelte)

Kosten:

10.000,- FIX

20.000,- Euro Stückkosten

30.000,- Euro Gesamtkosten

Gewinn: 70.000,- Euro (100.000,- abzgl. 30.000,- Euro)

Der Einsatz von 30.000,- Euro ergab also einen Gewinn von 70.000,- Euro. Dies sind 233,33%!

Im Umkehrschluss zeigt es aber auch, dass Unternehmen mit hohen Stück- aber niedrigen Fixkosten zwar mit Erhöhung des Umsatzes auch mehr Gewinn erwirtschaften, prozentual aber mit mehr Stücken weniger Gewinn (in %) erwirtschaftet wird.

Leverage-Effekt bei Wertpapieren

Sogenannte Derivate beziehen sich immer auf einen Basiswert (z. B. eine Aktie), ohne sie tatsächlich zu besitzen. Ändert sich der Wert der Aktie, kann sich der Wert des Derivates ebenfalls ändern.

Um dies deutlicher zu machen, soll auch hier ein Beispiel dienen:

Eine Fluggesellschaft X-AG möchte Fremdkapital einsammeln und eine Kapitalerhöhung durchführen indem Aktien ausgegeben werden. Dafür werden zunächst Anleihen mit 100,- Euro Nennwert emittiert. An diesen Anleihen hängen Optionsscheine, die dem Anleger erlauben, bei Ausübung des Optionsrechts innerhalb einer bestimmten Zeit (das können mehrere Jahre sein) eine Aktie des Unternehmens für 90,- Euro zu kaufen.

Diese Optionsscheine können unabhängig von der Anleihe gehandelt werden. Kostet nun die Aktie der X-AG 100,- Euro, könnte der Inhaber (sofern er kein Interesse an der Aktie hat) den Optionsschein für mindestens 10,- Euro verkaufen. Preis für den Bezug der Aktie mit dem Schein ist dann ebenfalls bei 100,- Euro (90,- Euro für die Aktie und 10,- Euro für den Schein.) Normalerweise rechnen aber Anleger mit einem steigenden Kurs innerhalb dieser langen Zeit, daher wird auf den Wert des Optionsscheins noch ein Aufschlag genommen. Dies ist der Zeitwert. Im Laufe der Zeit wird immer ersichtlicher, wie sich der Kurs entwickelt bis er am Ende der Optionszeit gänzlich feststeht. Daher sinkt der Zeitwert im Laufe der Zeit. Lassen Sie uns daher zunächst mit einem Kurs von 30,- Euro je Optionsschein rechnen.

Steigt jetzt der Kurs der Aktie um 20,- Euro (also in diesem Fall um 20%), wird auch der Kurs des Optionsscheins um 20,- Euro steigen. Denn durch ihn ist man weiterhin in der Lage, die Aktie für 90,- Euro zu beziehen. Bei einem Kaufpreis von 30,- Euro und einer Kurssteigerung von 20,- Euro ist der Wert des Optionsscheins demnach um 66,67% gestiegen. Das entspricht einem Hebel von 3,33. Das bedeutet, mit jedem Prozent, den die Aktie steigt, steigt der Kurs des Optionsscheins um 3,33 %.

Sollte der Kurs der Aktie gegen Ende der Laufzeit höher sein als der Preis für die Optionsausübung, kann man den Optionsschein entweder teuer verkaufen, oder von dem Recht Gebrauch machen und die so erworbenen Aktien dann ebenfalls an der Börse verkaufen.

Allerdings gilt der Hebel auch in die entgegengesetzte Richtung. Denn sinkt der Kurs der Aktie, wird diese Veränderung sich ebenfalls mit Hebelwirkung auf den Optionsschein auswirken. Sinkt der Wert sogar unter den Wert der Aktie, ist der Optionsschein wertlos, denn niemand wird ihn kaufen, wenn die Aktie an der Börse günstiger zu bekommen ist als zum Optionspreis von 90,- Euro. Das gesamte eingesetzte Kapital ist weg.

Derivatehandel ist aufgrund dieser Gefahren und der häufigen Undurchsichtigkeit der Papiere nur für Profis geeignet. Zwar ist der Erwerb für Kleinanleger gestattet, es muss jedoch ein zusätzliches Formular unterschrieben werden, dass man sich des Risikos bewusst ist.

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