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Kennzahlen

Kennzahlen sind mengenmäßig erfasste Maßzahlen. Eine einfache Kennzahl könnte zum Beispiel der Kontostand sein.

In der Betriebswirtschaft gibt es viele verschiedene Kennzahlen. Sie dienen zur Beurteilung des Unternehmens. Hier reicht es nicht aus, verschiedene IST-Zustände zu kennen. Denn um zu beurteilen, ob etwas gut oder schlecht ist, benötigt man mehrere Werte in Relation zueinander. So kann ein Kreditsaldo von 5000,- Euro sehr gut, oder sehr schlecht sein. Hat ein Unternehmen 250.000,- Euro Eigenkapital und nur diese 5.000,- Euro Fremdkapital steht es sehr gut da. Handelt es sich jedoch um einen Einzelunternehmer, der gar kein Eigenkapital hat, steht es eher schlecht um das Unternehmen.

Anzeigen für die Steuerung des Unternehmens

Um das Unternehmen steuern zu können und alles was wichtig ist bereits aus den Kennzahlen lesen zu können, gibt es festgelegte Kennzahlen, die das Kennzahlenmanagement immer im Auge haben sollte. Die Kennzahlen eines Unternehmens werden normalerweise eingeteilt in verschiedene Kategorien.

Die Erfolgskennzahlen

Ob ein Unternehmen erfolgreich ist, lässt sich anhand dieser Kennzahlen ermitteln. Dazu gehört z. B. der Cashflow, der Gewinn vor (nach) Steuern, Jahresüberschuss, Ertragszahlen, Personalproduktivität usw. Die meisten dieser Zahlen sind eher absolut, geben also noch nicht die Möglichkeit, die Zahlen in Relation zu anderen Werten zu setzen. Ob sie gut oder schlecht sind, lässt sich nur durch den Vergleich zu den gleichen Kennzahlen anderer Unternehmen mit ähnlichen Voraussetzungen herausfinden.

Die Liquiditätskennzahlen

Die Liquidität eines Unternehmens sagt aus, wie „flüssig“ das Unternehmen ist. Wie schnell kann es Verbindlichkeiten tilgen und auf unvorhergesehene Ausgaben reagieren? Diese Zahlen setzen verschiedene Werte bereits in Relation zueinander. Beispielsweise das Umlaufvermögen zu den Verbindlichkeiten, Kassenbestände etc. Aber auch die Fristenübereinstimmung von Krediten und Anlagennutzung (Fristenkongruenz) wird angegeben, also wie gut passt die Laufzeit der Kredite zur Abschreibungsdauer der damit angeschafften Anlagen? Die Liquidität wird eingeteilt in Liquidität 1. 2. und 3. Grades.

Rentabilitätskennzahlen

Die Rentabilitätskennzahlen setzen jeweils das Geschäftsergebnis ins Verhältnis zum Einsatz eines Wertes. Es kann z. B. berechnet werden, wie sehr sich der Einsatz des Eigenkapitals gelohnt hat (Eigenkapitalrentabilität). Selbstverständlich gilt das Gleiche auch für die Fremdkapitalrentabilität, Umsatzrendite, Rendite je Mitarbeiter etc. Die Rentabilitätskennzahlen sind für die Steuerung des Unternehmens wohl die wichtigsten Zahlen. Branchenvergleiche ermöglichen, Problempunkte zu ermitteln. Stellt man fest, dass in vergleichbaren Unternehmen die Mitarbeiter rentabler arbeiten, muss man genauer hinsehen um gegenzusteuern. Ebenso könnte man feststellen, dass die Fremdkapitalrendite höher ist als die Eigenkapitalrendite. Es wäre dann möglich, eher mit Fremdkapital zu arbeiten usw.

Kennzahlen zur Kapitalstruktur (Bilanzkennzahlen)

Wieviel Kapital vorhanden ist und wie es verwendet wird, kann in einer Bilanz gelesen werden. Doch auch hier ist eine Vergleichsgröße wichtig. Es reicht nicht zu wissen, wie viel Eigenkapital vorhanden ist, sondern man muss ebenfalls wissen, wie viel dies vom Gesamtkapital ist. Hierfür werden verschiedene Quoten berechnet, wie die Eigenkapitalquote, Fremdkapitalquote, Anlagendeckung usw.

Schuldenkennzahlen

Für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit sind die Schuldenkennzahlen besonders wichtig. Ein Kreditgeber wird immer auch diese Zahlen prüfen. Sie sagen aus, wie gut der Schuldner in der Lage ist, seine Verbindlichkeiten aus den laufenden Einnahmen zurückzuzahlen. Zu den Schuldenkennzahlen gehören die Kapitaldienstfähigkeit, der Zinsdeckungsgrad, die Kapitaldienstgrenze, u.v.m.

Kennzahlen zur Umschlagshäufigkeit

In Unternehmen können zweierlei Umschlagshäufigkeiten gemessen werden. Die wichtigste Zahl ist die Lagerumschlagshäufigkeit. Diese zeigt an, wie häufig der gesamte durchschnittliche Lagerbestand innerhalb eines Jahres entnommen und wieder ersetzt wurde. Besonders die Möglichkeit, hier einzelne Artikel (oder auch einzelne Filialen) zu betrachten, bietet eine hervorragende Steuerungsmöglichkeit. Stellt ein Handelsunternehmen fest, dass die Umschlagshäufigkeit für Shampoo nur 1 beträgt, jedoch für Hundefutter 250, könnte man sich überlegen, Shampoo aus dem Sortiment zu nehmen. Bei einem Rohstofflager weist eine sehr niedrige Umschlagshäufigkeit auf ein zu großes Lager hin. Hier können dann die Kosten gegengerechnet werden und ggfs. das Lager verkleinert oder im umgekehrten Fall vergrößert werden.

Die Zweite Umschlagskennzahl ist die Kapitalumschlagshäufigkeit. Diese zeigt an, wie häufig das gesamte Kapital (= Bilanzsumme) umgesetzt wurde, setzt also das Betriebskapital in Relation zum Umsatz. Je höher diese Kennzahl ist, desto intensiver wurde das Kapital genutzt. Stellen Sie sich ein Unternehmen vor mit winzigem Lager und vielen Immobilien. Dieses wird das gesamte Kapital nur schwerlich mehrfach umsetzen können, weil ein Großteil des Kapitals in den Immobilien festgesetzt ist und daher nicht für Einkäufe oder wichtige Investitionen genutzt werden kann. Um also diese Zahl zu steigern könnte ein solches Unternehmen nicht genutzte Immobilien verkaufen und ein größeres Lager anschaffen oder weitere Verkaufsmöglichkeiten erschließen.

Leider nur eine Momentaufnahme

Normalerweise werden die Kennzahlen bei der Jahresabschlussanalyse erhoben und nicht laufend. Das bedeutet jedoch, dass es sich immer nur um eine Momentaufnahme handelt. Die Zahlen sind daher nur bedingt aussagekräftig. Außerdem besteht die Möglichkeit einer einseitigen Fokussierung. Wenn nur einzelne Kennzahlen betrachtet werden, könnte eine Gegensteuerung die Verschlechterung anderer Kennzahlen bewirken. Stellt man z.B. fest, dass die Mitarbeiterrentabilität zu niedrig ist, könnte man Personal abbauen. Die Kosten reduzieren sich, bei gleicher Gesamtleistung würde die Kennzahl steigen. Die Unzufriedenheit der verbliebenen Mitarbeiter könnte aber zu einer Kundenunzufriedenheit führen, der Umsatz sinkt usw.

Vor allem in großen Unternehmen, wo viele verschiedene Menschen für verschiedenen Kennzahlen verantwortlich sind, kann eine zu große Konzentration auf die Zahlen zu einem negativen Effekt führen. Denn keiner der Verantwortlichen will vor den anderen schlecht dastehen und wird so alles tun, die eigene Kennzahl zu erhöhen. Außerdem werden Jahresgehälter oder Boni häufig auf das Erreichen bestimmter Quoten bezogen. Da wird jeder der betroffenen Mitarbeiter erst einmal für sich selbst sorgen. Ob dies jedoch im Sinne des Unternehmens ist, ist regelmäßig zweifelhaft. Die allein für die Steuerung der Zahlen verwendete Kraft könnte vielfach für wichtigere Dinge im Sinne des Unternehmens verwendet werden.

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