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Geldschöpfung

Die Geldschöpfung ist schlicht die Vermehrung von Geld. Doch was für die meisten Menschen einfach das Drucken neuer Geldscheine bedeutet, ist in Wirklichkeit ein wenig komplizierter. Eng verbunden mit der Geldschöpfung ist auch die anschließende Geldvernichtung.

Bargeld ist nur ein kleiner Teil der Geldmenge

Für den Druck neuer Geldscheine ist die EZB (Europäische Zentralbank) zuständig. Die Bundesbank darf sie dann zwar drucken lassen, allerdings werden die Menge der Scheine und die Aufteilung in die unterschiedlichen Banknoten von der EZB vorgeschrieben. Münzen dürfen jedoch von den Ländern selbst geprägt werden. Über die auszugebende Menge entscheidet in Deutschland das Bundesfinanzministerium.

Doch Bargeld ist nur ein winziger Teil unserer gesamten Geldmenge. Wann hatten Sie z. B. das letzte Mal Ihr komplettes Monatsgehalt in bar in der Hand? Der weitaus größere Teil unseres Geldes liegt als Zahlen auf Bankkonten. Wir Menschen vertrauen darauf, diese Zahlen als Bargeld ausgezahlt zu bekommen, wenn wir dies fordern. Solange wir darauf vertrauen, funktioniert das System. Bei einer Erschütterung des Finanzwesens droht jedoch die Gefahr eines Bankruns. Wenn zu viele Menschen auf einmal ihre Bankguthaben ausgezahlt haben möchten, stehen nicht genügend Geldscheine dafür zur Verfügung. Doch Panik macht in einem solchen Fall keinen Sinn, der deutsche Staat haftet mit der Einlagensicherung für 100.000,- Euro pro Person. Es ist also schlicht nicht notwendig, das Geld in Bar abzuholen, da selbst bei einer Insolvenz des Kreditinstituts gewährleistet ist, dass das Guthaben nicht verlorengeht. Zusätzlich zur staatlichen Einlagensicherung haben sich viele Institute einer privaten Sicherung angeschlossen, die teils mehrere Millionen pro Kunde abdeckt.

Woher kommt nun neues Geld?

Wenn Bargeld nur ein kleiner Teil ist, muss noch irgendwo anderes Geld herkommen. Ein großer Teil wird durch Kredite der EZB an Geschäftsbanken in Umlauf gebracht. Um zu steuern, wie viel Geld im Lande verteilt ist, stehen der EZB verschiedene Instrumente zur Verfügung.

Zum einen kann sie den Leitzins verändern. Diesen Zins müssen Kreditinstitute für Kredite bei der EZB bezahlen. Ein niedriger Leitzins bedeutet eine günstige Geldbeschaffung für die Banken und somit auch günstige Kredite für die Kunden dieser Banken. Denn wenn viel Geld zur Verfügung steht, geben die Geldgeber es auch gern weiter. Diese günstigen Kredite können somit einen direkten Einfluss auf unsere Wirtschaft haben, denn auch Unternehmen können sich günstig refinanzieren und durch Kredite wichtige Investitionen tätigen, die das Geschäft weiter ankurbeln.

Auch der Kauf von Anleihen durch die EZB vermehrt das Geld am Markt. Benötigt ein Unternehmen, oder auch ein ganzer Staat wie die Bundesrepublik Deutschland, Geld, so kann sie Anleihen verkaufen. Werden diese von der EZB angekauft, muss sie hierfür einen Kaufpreis bezahlen. Dieses gezahlte Geld steht dann allen wieder zur Verfügung.

Was ist mit der Inflationsgefahr?

Zu viel Geld auf dem Markt würde allerdings die Preise erhöhen, die wir für unsere Produkte zu zahlen haben. Denn: Geld kann man nicht essen. Eine florierende Wirtschaft würde auch die Löhne steigen lassen, der Konsum steigt an, es wird immer mehr produziert, und die Löhne steigen weiter. Die hohe Nachfrage führt zu Preiserhöhungen und damit ebenfalls dazu, dass der Konsum wieder begrenzt wird. Die Absatzzahlen sinken und die Produkte müssten weiter verteuert werden, damit die Unternehmen zahlungsfähig bleiben. Nach und nach müssten Unternehmen schließen, die Arbeitslosigkeit wächst und es ist aus, mit dem Konsum.

Um die Währung also halbwegs stabil zu halten, versucht die EZB die Inflationsrate (Teuerungsrate) knapp unter 2% zu halten. Dies kann zum einen durch die Erhöhung des Leitzinses erreicht werden, zum anderen kann die EZB die gekauften Anleihen auch wieder verkaufen und somit einen Teil des Geldes wieder vom Markt nehmen.

Warum tut sich die EZB so schwer mit der Steuerung?

Finanzanalysten und Wirtschaftsexperten blicken immer wieder besorgt auf die Situation in Europa. Denn die Steuerung durch die EZB hat längst nicht die erhoffte Wirkung auf die Märkte. Zwar stimmt die Richtung im Großen und Ganzen, doch sind die Auswirkungen relativ schwach.

Das Problem ist: Nicht nur die EZB ist an der Geldschöpfung beteiligt. Auch die Geschäftsbanken haben einen riesigen Anteil daran.

Schauen wir uns einmal die Kreditvergabe eines kleinen (hypothetisch winzigen) Kreditinstitutes an:

Es gibt Einlagen (Kontoguthaben der Kunden) in Höhe von 1.000.000,- Euro. Die Bank hat nur 5 Kunden. Damit die Zahlungsfähigkeit erhalten bleibt, muss eine gewisse Summe mindestens behalten werden. Es könnten also nicht die kompletten Einlagen an andere Kunden verliehen werden. Nun kommt ein sechster Kunde und benötigt für den Bau einer großen Halle 500.000,- Euro Kredit. Dieser wird gewährt und der Kunde bezahlt seine Halle beim Bauunternehmer, der jedoch Kunde bei einer anderen Bank ist. Die Bank hat nun immer noch 1.000.000,- Euro an Einlagen (denn die Kunden haben nichts abgehoben), allerdings zusätzliche 500.000,- Euro, die sie noch vom sechsten Kunden zurückbekommen müsste. Das Geld ist also erst einmal weg, kommt aber in monatlichen Raten an die Bank zurück. Dieser Fall ist extrem an den Haaren herbeigezogen, denn es gelten selbstverständlich mehr Vorgaben für die Reserve. Dennoch sollte man wissen, dass die echte zu haltende Mindestreserve (Guthaben, die bei der EZB zu hinterlegen sind) nicht bei 50%, sondern bei 1-2 % liegt.

Diese kleine Bank hat nun quasi Geld erschaffen, welches durch die Rückzahlung wieder vernichtet wird. Somit stehen ab diesem Zeitpunkt dem Markt nicht mehr nur die 1.000.000,- Euro an Einlagen, sondern auch die 500.000,- Euro Kreditsumme zur Verfügung. Denn entgegen der verbreiteten Meinung, eine Bank kann nur verleihen, was sie auch hat, muss sie kein tatsächliches Geld haben (Bis auf die Mindestreserve), sondern kann einfach ein Kreditkonto einrichten. Das Geld wird also fast „aus dem Nichts“ erschaffen.

Angenommen der Bauunternehmer (der den Auftrag vom 6. Kunden der kleinen Bank bekam), hat sein Konto bei einer großen Bank. Durch die Zahlung wächst das Guthaben bei der Bank an, weshalb die Kreditsumme, die (unter Berücksichtigung der Mindestreserve) vergeben werden darf, ebenfalls ansteigt. Dieser neue Kredit wird zufällig an einen weiteren Kunden dieser Bank gezahlt, z. b. für die Anschaffung neuer Maschinen an einen Maschinenbauer. Es entsteht ein neues Guthaben auf dem Konto dieses Maschinenbauers, welches wiederum die Möglichkeit einer Kreditvergabe seitens der Bank erhöht. Aus einem Guthaben von 500.000,- Euro entsteht also ein riesiger Geldbetrag (immer abzgl. Mindestreserve), der der Wirtschaft zur Verfügung steht. Werden die Kredite abbezahlt, wird das Geld wieder vernichtet, denn der Minuskontostand wird mit jeder Zahlung weniger und das zurückgezahlte Geld steht somit dem Markt nicht mehr zur Verfügung. Aus den 1,5 Millionen der ersten Bank werden wieder die 1.000.000,- Euro Einlagengelder.

Neben der Mindestreserve müssen auch Vorgaben zum Eigenkapital eingehalten werden. Es wird immer mehr darauf geachtet, dass Banken auch bei vielen Kreditausfällen nicht in Schwierigkeiten geraten.

Geldschöpfung im großen Stil – REPO-Geschäfte

Banken leihen sich selbstverständlich auch untereinander Geld. Da es sich um große Summen handelt, müssen dafür Sicherheiten hinterlegt werden, meist Wertpapiere. Diese werden jedoch nicht, wie bei Privatpersonen üblich, verpfändet, sondern als REPO-Geschäft angelegt. Das bedeutet, die Papiere werden an den Kreditgeber verkauft, jedoch mit der Pflicht, sie zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückzukaufen. Die Laufzeit dieser Geschäfte beträgt bis ca. 12 Monate.

Durch den Ankauf ist es nun dem nächsten Kreditinstitut wiederum möglich, die Wertpapiere als Sicherheit für einen eigenen Kredit zu hinterlegen/verkaufen. Im Schnitt werden so die gleichen Kreditsicherheiten für 3 verschiedene Kredite genutzt. Sicherheit besteht also genau genommen nur für ca. 1/3 der Gesamtkreditsumme

Das Problem: Die Wertpapiere werden häufig von den Banken selbst verbrieft, so geschehen auch vor der großen Finanzkrise 2008. Hypothekendarlehen und Pfandbriefe werden somit verkauft und immer wieder neu gemischt, so dass irgendwann nicht mehr klar ist, wie hoch das Ausfallrisiko der einzelnen Pakete überhaupt ist. Selbst die Spezialisten bei den Ratingagenturen, die die Bonität einschätzen sollen, liegen teils mit ihrer Schätzung vollkommen daneben. Fallen dann diese Sicherheiten aus, weil wirtschaftliche Gründe für Umsatzeinbußen oder Lohnausfälle sorgen, stehen häufig alle in der Kette vor einem Problem.

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