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Fazilität

Fazilität steht für „Leichtigkeit“ und beschreibt das Leihen und Anlegen von Geld. Das kann zwischen Bank und Kunde sein, aber auch zwischen Zentral- und Geschäftsbanken.

Wenn man von ständiger Fazilität spricht, ist das immer Zusammenhang mit dem Interbankenhandel gemeint. Am Ende eines jeden Geschäftstages stellt die Europäische Zentralbank (EZB) die Salden der ihr angeschlossenen Banken fest. Sind die Konten im Minus, wird über Nacht ein Kredit zu einem festen Zinssatz gewährt, der von der EZB festgelegt wird. Dieser muss nicht einmal gesondert beantragt werden. Sind die Konten im Plus, wird das Geld über Nacht zu einem ebenfalls festgelegten Zinssatz angelegt. Die Spanne zwischen diesen beiden Zinssätzen ist die Spanne die für Tagesgeld gilt. Selbstverständlich gibt es Höchstsummen, die eine Bank an Krediten aufnehmen kann um eine Überschuldung zu vermeiden.

Durch diese Funktion und die Festlegung des Zinssatzes kann die EZB die Geldmenge in Europa beeinflussen. Sind die Zinsen gering, können Banken günstig Geld aufnehmen und an Kunden verleihen, sind sie höher, werden Banken lieber weniger Kreditrisiken eingehen.

Um die Funktion der EZB genauer zu beleuchten, muss man sich die Arbeitsweise der kleineren Banken ansehen.

Bank A gewährt einem Kunden A einen Kredit von 1.000,- Euro. Diesen Betrag schreibt sie seinem Girokonto gut. In der Bilanz erhöhen sich nun die Einlagen der Kunden (Kd. hat das Geld auf dem Konto), sowie die Forderungen an Kunden (Kd. hat Schulden auf dem Kreditkonto) um je 1.000,- Euro. Die Bilanzsumme erhöht sich. Sonst ist jedoch nichts passiert. Es gibt weder einen Gewinn, noch einen Verlust für die Bank.

Lassen wir zunächst Zinsen und Mindesteinlagen außer Betracht, könnte die kleine Bank nun das Geld erneut verleihen, denn für jede Kundeneinlage, die sie hat (Kd. hat immer noch sein Guthaben) darf sie wieder Kredit gewähren. Sie vergibt also Kd. B auch einen Kredit von 1.000,- Euro. Das gleiche Spiel wiederholt sich. Die Bilanz könnte so ins Unendliche steigen, denn für jeden Kunden, der das Geld einfach auf seinem Konto liegen lässt, darf die Bank einen Kredit vergeben. Diesen Prozess nennt man Geldschöpfung. Und für jeden Kredit kassiert eine Bank Zinsen, und zwar mehr, als sie dem Kunden für das Kontoguthaben gutschreibt. Damit verdient eine Bank ihr Geld.

Nun werden allerdings auch Grenzen gesteckt, indem gesagt wird, dass eine Mindestreserve einzuhalten ist. Die neuen Kredite sind also in ihrer Höhe immer etwas geringer als der Vorhergehende, so dass die Gesamtsumme begrenzt wird.

Außerdem funktioniert das System nur, solange die Kunden die Summen nur untereinander überweisen. Kd. A kauft bei Kd. B Waren und zahlt auf das Konto des Verkäufers bei Bank A. So passiert in der Bilanz nichts weiter.

Kaufen jetzt aber alle Kunden von ihrem Geld Waren bei jemandem, der sein Konto bei Bank B hat, bekommt Bank A ein Problem. Denn sie muss sämtliche Guthaben der Kunden an Bank B überweisen. Sie muss also entweder genug Geld auf ihrem Guthabenkonto bei der Deutschen Bundesbank (die als Zentralbank zum Europäischen System der Zentralbanken, ESZB gehört) haben, oder selbst dort einen Kredit aufnehmen um die Zahlung ausführen zu können. In der Bilanz sinken die Verbindlichkeiten an Kunden und werden ersetzt durch Verbindlichkeiten an die DBB.

Auf der anderen Seite könnte es sein, dass durch die hohe Gutschrift bei Bank B ein großes Kontoguthaben entsteht. Bank B kann dadurch ebenfalls neue Kredite vergeben und die Bilanzsumme verlängert sich ebenfalls.

Wenn wir nun berücksichtigen, dass die Banken Zinsen für die Geldleihe verlangen, müssen wir bemerken, dass Banken mit vielen Kunden, die häufig untereinander Geschäfte abwickeln im Vorteil sind, da sie das Geld mehrfach nutzen können und so die Zinsspanne auch mehrfach ausnutzen können. Banken mit weniger Kunden müssen eher damit rechnen, dass das Geld ihre Zuständigkeit verlässt und so nicht weiter genutzt werden kann. Große Banken werden also immer größer, während kleine Banken immer mehr Probleme bekommen.

Wenn nämlich eine kleine Bank C viele Kredite vergeben würde, sie sich aber über die ständige Fazilität ständig Geld bei der EZB leihen müsste (und dafür Zinsen zahlen), wird sie irgendwann nicht mehr zahlungsfähig sein. Dies ist der Grund für die wachsenden Probleme im Bankensektor und die Zusammenschlüsse kleinerer Banken.

Vor allem die steigenden Vorgaben der Zentralbanken, was Mindestreserve und Risikovermeidung angeht, helfen dabei die Geldschöpfung der Banken einzugrenzen. Dies beschneidet auf der anderen Seite jedoch ebenso den Zinsgewinn der Banken.

Wenn wir nun von den kleinen Banken einige Stufen nach oben auf die Weltbankebene machen, sehen wir Ähnliches. Alle Zentralbanken der Währungsunion haben Konten bei der Europäischen Zentralbank. Vergibt also die Deutsche Bundesbank Kredite an Geschäftsbanken tut sie das Gleiche, wie vorher unsere kleine Bank A. Die Bilanzsumme der Bundesbank erhöht sich. Geben nun alle Banken in Deutschland ihr Geld auf Konten in Italien (z.B. weil auf einmal alle Kunden ihr ganzes Geld für einen Italienischen Wagen ausgeben), müsste die Deutsche Bundesbank entweder genug Geld auf ihrem Konto bei der EZB haben um es der italienischen Zentralbank zu überweisen, oder aber über die ständige Fazilität einen Kredit bei der EZB aufnehmen.

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